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Seine geografische Lage
Westlich der Distrikthauptstadt Évora im Alentejo (Portugal) ist der Standort des Stein-Heiligtums von Almendres – mitten in einer Region, die auffällig viele steinzeitliche Monumente aufweist.

Ursprünglich zogen die Menschen als Nomaden durch das heutige Portugal. Dabei bewegten sie sich entlang der Flüsse und bevorzugt in deren Mündungsgebieten.1 Parallel dazu etablierte sich die völlig konträre Lebensweise der Sesshaftigkeit im Rahmen der neolithischen Revolution.2 Die Menschen wählten für ihre Siedlungen unbewohnte Gebiete im Landesinneren.
Das Gebiet um Évora liegt zentral zwischen drei Flüssen. Der Tejo begrenzt das Gebiet im Norden. Der Guadiana bildet den östlichen Rahmen und im Westen fließt der Sado. Ein entscheidender Faktor für diese Standortwahl war wohl der Umstand, dass sich bei Évora alle natürlichen Wege treffen, die von der Küste ins Landesinnere führen.
Die kulturelle Bedeutung
des Stein-Heiligtums von Almendres
Das Stein-Heiligtum von Almendres bildet den Mittelpunkt einer seit langer Zeit von Menschen bewohnten und dicht besiedelten Region. Rund tausend archäologische Stätten sind bekannt, die entweder megalithische Monumente oder die jungsteinzeitlichen Siedlungen der ErbauerInnen sind.

Bei Évora sind zahlreiche Bauwerke und Steinsetzungen aus der Steinzeit erhalten. Darunter so bedeutende und bekannte wie
- das Stein-Heiligtum von Almendres ① mit
- der Hinkelstein von Almendres ②,
- der große Dolmen von Zambujeiro ④,
- die Höhle „Grotte von Escoural“ ⑤,
- die Steine von „Vale Maria do Meio“ ⑥ und
- die Dolmen-Kapelle ⑦
„Nossa Senhora do Livramento“
bei São Brissos
Das Stein-Heiligtum von Almendres befindet sich auf halber Strecke zwischen der Altsteinzeit-Höhle Gruta do Escoural und der jungsteinzeitlichen Siedlung Valada do Mato.
Die Gruta do Escoural ⑤ ist eine beeindruckende Tropfsteinhöhle, die für ihre schwarzen und roten Strichzeichnungen sowie feinen Gravuren bekannt ist. Die älteste von ihnen soll 23.000 Jahre v. d. Z. in die Höhlenwand geritzt worden sein.3 Damit zählt die Gruta do Escoural zu den bedeutendsten Fundorten altsteinzeitlicher Höhlenkunst auf der Iberischen Halbinsel und gewährt faszinierende Einblicke in die frühe Geschichte menschlicher Kreativität und Spiritualität.
Die Siedlung Valada do Mato ⑥ wurde von Land- und Weidewirtschaft betreibenden Jägern und Sammlern bewohnt. Sie wird aufgrund von Keramik-Funden in die Zeit des Übergangs vom 6. zum 5. Jahrtausend v. d. Z. datiert.3 Die Verwendung von Mörteln auf Tonbasis im Bauwesen ist im Südwesten der Iberischen Halbinsel seit der frühen Jungsteinzeit belegt. Archäologischen Funden zufolge wurden diese Materialien in der Jungsteinzeit zur Auskleidung von Gruben verwendet.4
Die Lage des Stein-Heiligtums von Almendres im Jahreslauf
Auch im Jahreslauf spielte die Lage des Stein-Heiligtums von Almendres eine herausragende Rolle. Als erwiesen gilt, dass die Steinsetzung auf die Himmelsrichtungen ausgerichtet ist. Ihre Form und Zusammenstellung deutet auf eine Nutzung für Astral-Beobachtungen und -Vorhersagen hin.
Die Forschung ist sich einig, dass es den sesshaften Steinzeitmenschen mit Hilfe von Steinkreisen möglich war, Sonnenwenden, Tag-und-Nachtgleichen, die großen und kleinen Mondwenden, Finsternisse, Schaltzeiten sowie Zeiten für Aussaat und Ernte präzise zu bestimmen.6
Vom Standort des Stein-Heiligtums von Almendres auf dem erhabenen Hügel kann der Lauf der Sterne, des Mondes und der Sonne auch heute noch bestens beobachtet werden. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche erscheint der Mond im Osten am Horizont, kurz nachdem die Sonne hinter dem Hügel im Westen untergegangen ist. Diese Tatsache verdeutlicht die Nutzung und Funktion des Stein-Heiligtums von Almendres als Sternwarte und kosmischer Kalender durch die Erbauer und nachfolgende Generationen.

Aus Sicht des Stein-Heiligtums von Almendres markiert der Hinkelstein von Almendres ② den Punkt des Sonnenaufgangs am längsten Tag des Jahres zur Sommersonnenwende. Dieser alleinstehende Hinkelstein ist mit Steinritzungen versehen. In seinem oberen Drittel ist ein Band aus gewellten Linien und ein Symbol eingeritzt, das als Báculo interpretiert wird.


In Richtung des Sonnenuntergangs am kürzesten Tag des Jahres zur Wintersonnenwende befindet sich aus Sicht des Stein-Heiligtums von Almendres die Dolmen-Kapelle Anta-Capela de Nossa Senhora do Livramento ⑦ bei São Brissos. Dieser Dolmen wurde im Zuge der Christianisierung blau-weiß angestrichen und in eine Kapelle umgewandelt, die „Unserer Lieben Frau vom Guten Ausgang“ gewidmet ist.
Die Lage des Stein-Heiligtums von Almendres im heutigen Landschaftsbild
Der Standpunkt des Stein-Heuiligtums von Almendres liegt in einer sanft hügeligen Kulturlandschaft, die bis heute von Korkeichenwäldern geprägt ist. Seine erhöhte Lage an einem Hang ermöglicht einen weiten Blick in östliche Richtung über die Ebene von Évora und verdeutlicht die besondere Stellung dieses steinzeitlichen Monuments.

Elke ∞ Almendres.Info
- web.archive.org/web/20200217220902/http://www.eboramegalithica.com/why-.html ↩︎
- web.archive.org/web/20141112233502/http://www.uni-mainz.de/FB/Biologie/Anthropologie/MolA/Deutsch/Forschung/Neolithisierung.html ↩︎
- cm-montemornovo.pt/wp-content/uploads/2020/08/ProtocolodeCooperaoparaaGestoSalvaguardaeVisitaPblicaGrutadoEscoural_F_0_1598015511.pdf ↩︎
- raco.cat/index.php/Rubricatum/article/download/269959/357527 ↩︎
- redalyc.org/pdf/5136/513653433002.pdf ↩︎
- Leszek Matela: Die Kraft der Steine und Megalithen – Seite 15 ↩︎






